| Frauenriege 1 2010 Turnfahrt Jura |
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| Geschrieben von Mirjam Philipp | |||||
| 31. Aug 2010 | |||||
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Turnfahrt vom 19./20. Juni 2010 Kneippen in Wanderschuhen Die Bahnfahrt erster Klasse stimmte auch diejenigen Turnerinnen fröhlich, die sich über den frühmorgendlichen Regen geärgert haben. Eine schöne Geste unserer Reiseleiterin Margrit, die uns auch noch mit frischen Gipfeli vom Bäcker und diversen Kaffeesorten „aus der Büchse" versorgte. Bereits eine halbe Stunde vor dem Umsteigen wurden wir informiert, dass wir nur drei Minuten für den Gleiswechsel zur Verfügung hätten. Also wurden frühzeitig die Rucksäcke gepackt, damit wir in Biel den Anschluss nicht verpassten. Und flotten Schrittes erreichten wir die gewünschte Zugskomposition. Bei der Weiterfahrt genossen wir die Aussicht dann von der zweiten Klasse aus. Die Landschaft wie auch das Wetter veränderten sich nun stetig. Kurz vor La Chaux-de-Fonds meldete sich Margrit, die uns auf einen weiteren Perronwechsel aufmerksam machte. Alles dabei, Schuhe geschnürt, Türe auf und los! In eleganter Manier um die anderen Reisenden herum, im Eilzugstempo in die Unterführung... „Halt, Frauen!" Margrits Ruf war nicht zu überhören. „Gleis eins in fünf Minuten! Nicht Gleis fünf in einer Minute." Tiefes Durchatmen, Kehrtwende und ab Richtung Gleis 1. Das Postauto brachte die gemütliche Schar schliesslich vom Bahnhof Saignelégier nach La Theurre. Da es während der kurzen Fahrt wieder zu regnen begann, stellten wir unsere Rucksäcke kurzerhand in einem Nebenraum des Restaurants la Couronne ein und machten uns mit Regenpellerinen und Schirmen „wasserfest". Der Spaziergang rund um den Moorsee Etang de la Gruère hatte trotz eingeschränkter Sicht seinen ganz speziellen Charme. Tiere bekamen wir zwar keine zu sehen; abgesehen von drei Blesshühnern und einem (männlichen) Stockenten-Paar (Turnerin 1: „Sind die schwul?" Turnerin 2: „Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind heute legal." – Die Namen der Fragenden und der Belehrenden tun hier nichts zur Sache...). Wer den Blick zwischen Waldboden und Schirmrand schweifen liess, entdeckte skurrile Wurzelformationen, diverse Sorten Pilze, Heidelbeersträucher – leider ohne Beeren -, Flechten und vieles mehr. Zurück im Restaurant La Couronne: Das Mittagessen mussten wir uns redlich verdienen, denn die Speisekarte war ausschliesslich in Französisch verfasst. Trotz freundlicher Bedienung und tatkräftiger Unterstützung sprachgewandter Turnkolleginnen war es nicht einfach, „das Richtige" zu bestellen. Gespiesen wurde dann – sprachunabhängig – sehr gut. „Rägnets no oder scho wieder?" Nein, es hellte sogar ganz leicht auf. Dadurch liess sich der Gedanke, mit dem Postauto zurückzufahren, bei Seite schieben und die Gruppe begab sich auf den Fussmarsch. Wie Margrit es in der Einladung beschrieben hatte, führte die Wanderung über Weiden und durch Tannenwälder. Die Weiden gingen allerdings stellenweise vom Moorgebiet in kleinere Seen über, doch irgendwie fanden wir im Storchenschritt – kneippmässig eben – immer einen einigermassen gangbaren Weg. Nach und nach verzogen sich die Regenwolken und gaben Sonnenstahlen den Weg frei. Nun wurden eifrig Kleiderschichten abgetragen, denn die Wärme brachte die nassen Wiesen beinahe zum Dampfen. Mit dem Wetterwechsel änderte sich auch die Art der Sprüche, die geklopft wurden. Waren sie erst schicksalhaft ergeben („Die Aussicht bis zum Schirmrand war trocken." / „Morn rägnets nüme!" / „Habe Sonnencreme eingestrichen, damit der Regen besser abperlt."), kam nun der wohltuende Humor zum Vorschein. So sinnierten wir zum Beispiel über die Quadratur des Kuhfladens – sprich „Rossbollen-Haufen" – und deren Konsistenz („Es ist einfach nicht mehr wie früher: Damals waren die Kuhfladen kompakter."). Zudem fragten wir uns, ob die Reiter, denen wir begegneten, das Wetter im Jura besser kennen als wir („Jetzt sitzen die so hoch oben auf den Pferden und haben trotzdem noch Stiefel an...). Wie in unserem Wettkampfteil „Fit und Fun" kam auch bei dieser Wanderung (Fun) das Fit nicht zu kurz. Nicht weniger als acht Kuhweidetore waren zu über- und durchklettern. Merke: Erst die Rucksackbreite mit der Breite der Torstangen vergleichen; sonst wird es eng! Die Aussicht, dass in unserer Unterkunft im Centre de Loisir in Saignelégier ein Hallenbad mit Sprudeltopf und anschliessend ein Apéro auf uns warteten, lies die Schritte allmählich schneller werden. Das war auch gut so, denn - habe ich es schon erwähnt? - es regnete wieder. Die Regeneration im Wasser tat allen gut. Die Enttäuschung zweier Turnerinnen über die geschlossene Wasserrutschbahn – es regnete – wurde belächelt, Muskeln gestreckt und beschlossen, dass wir „keine Bären, Schwangere und grundsätzlich keine Fremde zu uns in den Sprudeltopf lassen". Der Apéro und das feine Nachtessen brachten die Seemer-Turnerinnen wieder auf Trab. Marlies‘ Kampf mit dem Servicefachmann Richard um den Brotkorb zeugte davon. Und auch beim anschliessenden Hornöchsle wurde voller Einsatz gezeigt. Sonntagmorgen „Das Wetter ist wie gestern – nur dass es jetzt noch Nebel hat". Diese erbauende Nachricht schmetterte Claudia gut gelaunt ins Zimmer. Naja, dann wussten wir wenigstens was anzuziehen war: Alles! Gestärkt durch einen feinen Zmorge vom Buffet ging es los Richtung Bahnhof Saignelégier. Schon war wieder Kopfarbeit gefragt: Wo konnte Frau ihr Znünibrötli einkaufen, bei der boulangerie oder boucherie? Logische Antwort: „Det wo am Sunntig d’Türe uf isch!" Margrit hatte das Programm mit unserer Zustimmung kurzerhand umgestellt. Der geplante Abstieg über die nassen Kalksteinwege war zu gefährlich. So fuhren wir mit einem altertümlich anmutenden Züglein nach Les Brenets und spazierten von dort hinunter zum Doubs. Und dort sahen wir – nein, keinen Regen – unsere Schatten: Sonne!!! Begleitet von deren Stahlen ging es auf der Schweizer Seite dem Fluss entlang bis zum Wasserfall. Eindrücklich, wie auf kürzester Strecke ein sanft dahin fliessendes Gewässer sich plötzlich in einen reissenden Strom verwandeln kann. So blieben wir einige Zeit am 27 Meter hohen Saut du doubs stehen und schauten den fallenden Wassermassen zu. Die Wirtsleute im Restaurant Saut du Doubs liessen sich durch unsere kurzfristig gemeldete Programmänderung nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn (nach Deutschschweizer Auslegung) die Mittagszeit schon vorbei war, servierten sie uns die aus der zweisprachig (!) abgefassten Menükarte ausgewählten Gerichte. Einhellige Meinung: Sehr gut! Auf der Fahrt über den Lac de Brenets erfuhren wir vom Kapitän Interessantes über den vier Kilometer langen, aber nur rund 200 Meter breiten, gewundenen See und sein Ufer. Vom Schiffsteg brachte uns ein Wandertaxi hinauf zum Bahnhof: Die Rückreise stand an. Der Eisenweg führte diesmal über Le Locle, La Chaux-de-Fonds und Biel Richtung Zürich. Kurzweilig war die Fahrt, denn es galt ja schon jetzt Rückschau auf zwei erlebnis- und abwechslungsreiche, fröhliche Tage im Jura zu halten. – Vielen Dank, Margrit! Zum Schluss noch einige „Insider":- Sumpf- und Dreck-Turnfahrt - Wer im Moor versinkt darf nicht strampeln, sondern muss sich auf den Rücken legen. - Bisch di ja gwöhnt im Räge z’stah... - Vor lauter Pfützen, auf die wir achten mussten, haben wir den Moorsee nicht gesehen. - Oh wie ist das schön, auf einer Strasse zu gehen. – Auch wenn Daniela uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Strasse mit Mist überzogen war. - Gabis Sonntagshose („die beste Hose, die ich habe") musste am Abend gewaschen und geföhnt werden, damit sie wieder einsatzbereit war. - Ein Reh ist definitiv keine Gams! Zwei davon haben wir am Doubs gesehen. - Daniela hat die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich mit der Cumulus- anstelle der ID-Karte überschritten. - Mirjams schlechtes „Tüpfi" zeigt sich nicht nur im Fit und Fun, sondern auch im Trockenfrüchte-Werfen. - Die Hochzeit von Victoria wurde nicht verpasst. Nun wissen wir auch, weshalb wir fast keine Sonne hatten ® die Schweden haben mehr Geld dafür geboten.
Mirjam Philipp Aufgerufen: 739
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| Letzte Aktualisierung ( 16. Sep 2010 ) | |||||
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